08.12.2020 //

„Sind bisher gut durch die Krise gekommen“

Einkaufsprofi Andreas Dent: „Müssen unser Risiko- und Lieferantenmanagement nicht neu ausrichten. Denn wir haben bereits vor drei Jahren unsere Hausaufgaben gemacht.“

Die Digitalisierung zentraler Produktionsprozesse hat auch bei der Tox Pressotechnik längst Einzug gehalten. Im Bild ist die Roboterzangenmontage in der Firmenzentrale Weingarten zu sehen. Foto: Tox Pressotechnik Die Digitalisierung zentraler Produktionsprozesse hat auch bei der Tox Pressotechnik längst Einzug gehalten. Im Bild ist die Roboterzangenmontage in der Firmenzentrale Weingarten zu sehen. Foto: Tox Pressotechnik

Andreas Dent, Einkaufsleiter der Tox Pressotechnik GmbH & Co. KG, Weingarten, gab dem BME folgendes Interview*:

Fotoquelle: Tox Pressotechnik

Fotoquelle: Tox Pressotechnik

BME: Wie ist Ihre Einkaufsabteilung strukturiert?
Dent:
Wir haben unseren Bereich in Warengruppen aufgeteilt. Dazu gehören unter anderem Pneumatik, elektrische Antriebstechnologie und Steuerungstechnik; sie alle werden von verschiedenen Einkäufern betreut. Zum Beschaffungsteam gehören 15 Mitarbeiter. Sie steuern gemeinsam mit mir sowohl den operativen als auch den strategischen Einkauf. Diese Aufgaben sind in unserem Unternehmen nicht getrennt, sondern werden von uns als einheitlicher Komplex betrachtet. Das jährliche Beschaffungsvolumen aller Produktionsstandorte der Unternehmensgruppe weltweit bewegt sich im oberen zweistelligen Millionen-Euro-Bereich.

Welche Rohstoffe und Materialien kauft Tox Pressotechnik ein?
Wir benötigen zur Produktion unserer Pressen vor allem Platten und Brennteile verschiedener Stahlgüten. Diese Komponenten beziehen wir in der Regel über Großhändler, kaufen bereits fertig bearbeitete Platten aber auch bei Einzelfirmen ein. Die Commodity Stahl spielt bei der Fertigung unserer Antriebe, Pressen, Zangen und kundenspezifischen Sondermaschinen eine große Rolle. Deshalb scannen wir den Stahlmarkt kontinuierlich. Wir tauschen uns dazu auch mit Lieferanten und Händlern aus.

Welche Stahlsorten kaufen Sie ein
Im Bereich der Fertigung von Bügeln und Zangen greifen wir auf handelsübliche Stahlsorten zurück. Dazu zählen beispielsweise vergüteter Stahl wie 1.2311 und unlegierter Stahl wie 1.1730. Im Bereich der Werkzeug-Herstellung setzen wir hochwertigere Stahlsorten wie Durchhärtestähle ein, vorzugsweise aus dem Bereich des Kaltarbeitsstahl.

Ist Ihr Produktionsstandort in China für den Stahleinkauf wichtig?
Unser Unternehmen hat lokale Niederlassungen in 40 Ländern der Erde. In Taicang sind wir seit 1993 mit einer eigenen Gesellschaft vertreten. Die über 700.000 Einwohner zählende chinesische Industriestadt gehört zur Provinz Jiangsu im Osten der Volksrepublik, unweit der Hafenmetropole Shanghais. Die Suzhou Tox Pressotechnik Co Ltd hat heute mehr als 500 Mitarbeiter. Der Betrieb produziert neben dem Bedarf für deren Projekte Antriebstechnologie für die gesamte TOX Gruppe. Dafür schicken wir Material, darunter auch hochwertige Stähle, zur Weiterverarbeitung von Europa nach China.

Kaufen Ihre Auslandsgesellschaften selbst ein oder wird alles von der Zentrale gesteuert?
Wir geben zwar die Strategie vor, lassen gleichzeitig aber unseren Niederlassungen rund um den Globus freie Hand beim Local Sourcing. Das gilt sowohl für die größten Produktionsstandorte der Company in Brasilien, USA, China und Indien als auch für kleinere Werke, wie die erst kürzlich zu Tox Pressotechnik hinzugekommenen Tochtergesellschaften in Tschechien und in Mexiko. Unsere Zentrale in Weingarten arbeitet eng mit allen Auslandsfilialen zusammen und diskutiert mit ihnen Beschaffungsszenarien und technologische Entwicklungen. Dennoch bleibt für sie viel Spielraum, bei hoher Eigenverantwortung ihre eigenen Beschaffungsaktivitäten in ihren jeweiligen Märkten zu steuern.

Wie stark wurde Tox Pressotechnik von der Corona-Krise getroffen?
Wie andere Unternehmen mussten auch wir zu Beginn der Pandemie plötzliche Lieferantenausfälle sowie Störungen bei der Rohstoff- und Materialbereitstellung hinnehmen. Unser Werk in Weingarten verfügt über einen vergleichbaren Maschinenpark und ähnliche Produktionsstätten wie unsere Niederlassungen in Asien oder USA. Als dort die Fertigung stockte, konnten wir Corona-bedingte Ausfälle relativ gut abfangen. Deshalb ist Tox Pressotechnik bisher gut durch die Krise gekommen. Trotzdem darf nicht vergessen werden, dass beispielsweise die aktuelle Situation an unserem indischen Standort in Pune immer noch sehr dramatisch ist und den vor Ort agierenden Lieferanten alles abverlangt.

Müssen Sie Ihr Risiko- und Lieferantenmanagement aufgrund der Pandemie neu ausrichten?
Nein, denn wir haben bereits vor drei Jahren unsere Hausaufgaben gemacht. Mithilfe eines 2017 eingeführten SAP-Tools können alle unsere Standorte weltweit auf Lieferantendaten zugreifen und deren Performance kontrollieren.

Hat Ihre Logistik unter Corona gelitten?
Wir haben natürlich auch verfolgt, dass so manches Unternehmen Störungen seiner Beschaffungs- und Vertriebskanäle bis hin zum Ausfall einzelner Verkehrsträger hinnehmen musste. Davon sind wir weitestgehend verschont geblieben. Probleme bereiten uns allerdings die enorm gestiegenen Preise im Speditionsgewerbe. Das gilt vor allem für die asiatischen Märkte. Dort haben sich die Kosten für Gütertransporte zum Teil um das mehr als Zehnfache erhöht.

*Das Interview führte Frank Rösch, BME-Konjunktur- und Rohstoffmonitoring

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